Wir hatten in unserem letzten Beitrag über die offenen Grenzen zwischen den Baltischen Staaten berichtet. Heute überqueren wir die Grenze von Lettland zurück nach Litauen und auch hier weist nur ein Straßenschild und die Europaflagge auf den Landeswechsel hin. Nur ein kurzes Stück nach der Grenze werden wir allerdings von der Polizei für eine Kontrolle herausgewunken. Der Beamte kontrolliert nicht nur unsere Ausweise, sondern überzeugt sich auch davon, dass sonst niemand im Fahrzeug mitreist.
An einem Übernachtungsplatz führt direkt hinter uns eine ausgetrocknete Schotterpiste entlang. Jedes vorbeifahrende Auto zieht eine lange Staubwolke hinter sich her und unser Camper ist komplett eingestaubt. An der nächsten Waschstraße auf der weiteren Route muss also erst mal geduscht werden.
Bei fast jeder unserer längeren Reisen der vergangenen Jahre ärgert uns die Pumpe im Frischwassertank und stellt ihre Arbeit ein. Auch jetzt ist leider wieder eine Reparatur fällig und eine neue Pumpe muss eingebaut werden.


Nördlich von Vilnius erreichen wir einen Ort, der als Mittelpunkt Europas errechnet wurde. Eine Säule mit einer goldenen Krone markiert diese ansonsten recht unscheinbare Stelle, aber wir möchten zumindest einmal dort gestanden haben.


Die dritte der Hauptstädte des Baltikums ist Vilnius in Litauen und das ist unser nächstes Ziel. Der Reiseführer sagt, seine Blütezeit erlebte Vilnius im 16. Jahrhundert, wir sind also spät dran. Außerdem sei es das Jerusalem des Ostens oder Rom des Nordens (ja was denn nun?). Auf jeden Fall ist Vilnius eine Stadt mit vielen Kirchen, katholische. russische-orthodoxe, evangelisch-lutherische, mehrere Moscheen und inzwischen auch wieder eine Synagoge. Diese Beschreibungen möchten wir natürlich selbst überprüfen.
Und wirklich, wenn man sich in der Altstadt von Vilnius einmal umdreht sieht man mindestens vier bis fünf mächtige Kirchengebäude. Wir können sie nicht alle besuchen. Noch beeindruckender ist aber die Geschichte des Landes. Im Laufe der Jahrhunderte haben Russen, Schweden, Finnen, Polen und Deutsche die Geschichte geprägt. Litauen erstreckte sich in seiner Geschichte einst von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und war auch mal komplett von der Landkarte verschwunden. Nach der sowjetischen Besatzung ab 1940 ist das Land seit 1990 unabhängig.
In Tallinn und Riga konnten wir den Fortschritt und die aufstrebenden Ökonomien sehen, aber auch noch sehr viel verfallene Häuser und Fabriken. Etwas anders ist es in Vilnius. Ganz viel ist neu oder entsteht gerade, verfallenen Orte sind seltener zu sehen. In der Stadt findet man überall Baustellen.
Die Altstadt ist sehr ansprechend (touristisch) hergerichtet mit gemütlichen Gassen und Straßenrestaurants. Es macht uns Spaß durch die Gassen zu bummeln.






Eine Kuriosität ist einzigartig für Vilnius. Es gibt die unabhängige Republik Uzupis mitten in der Stadt. Am 1. April 1997 erklärte sich Uzupis scherzhaft zur unabhängigen Republik – mit eigener Verfassung, Flagge, Hymne, Präsidenten und sogar einer Armee (11 Soldaten). Der politische Anspruch ist natürlich nicht erst gemeint. Uzupis versteht sich vielmehr als Kunst- und Lebensprojekt. In den Straßen finden sich Galerien, Ateliers, ungewöhnliche Skulpturen und jede Menge kreativer Details. Karin bekommt beim Bummeln durch die Höfe eine rote Rose geschenkt. Besonders bekannt ist die Verfassung von Uzupis, die an einer langen Mauer in zahlreichen Sprachen angebracht ist. Einer ihrer bekanntesten Sätze lautet sinngemäß: Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.






Spürbar ist der Freiheitswille aber auch die Sorge um einen russischen Überfall. Ganz konkret sieht man beschriftete Eingänge zu Luftschutzbunkern und … mobil aufgestellte Hinweisschilder dorthin.


Man hat bisher vier unterirdische Tunnel von Belarus in das Land entdeckt. Es wird vermutet, dass über diese Tunnel Menschen eingeschleust werden. Es gab 7 Grenzübergänge nach Belarus. Bis auf einen sind inzwischen alle geschlossen. Da der Schmuggel über diese eine Stelle erschwert ist, wird jetzt mit Heißluftballons geschmuggelt. Regelmäßig wird der Luftraum über dem Flughafen von Vilnius gesperrt, wenn ein Ballon entdeckt wird. Es gibt sogar eine App dafür, damit Flugreisende sich über Verspätungen informieren können. In der Stadt haben wir deutsche Soldaten (in Uniform aber in der Freizeit) gesehen. Die Menschen sagen, dass ihnen die EU und die NATO ein Sicherheitsgefühl geben, aber die Sorge bleibt spürbar. Die Solidarität für die Ukraine ist ebenfalls sichtbar. Wir sehen an jedem öffentlichen Gebäude die ukrainische Flagge und auf dem Display der Busse steht ‚Vilnius loves Ukraine‘. Diese persönlichen Blitzlichter geben uns ein authentisches Bild, mehr als es Nachrichten vermitteln können.
Die offenen Punkte auf unserer Reiseliste werden weniger, unsere Aufnahmefähigkeit für neue Eindrücke wird aber auch weniger. Die Fähre zurück nach Kiel ist gebucht. Lasst euch überraschen, was wir bis dahin noch zu berichten haben.
Was für eine schöne Reise – und danke, dass ihr uns mit euren Berichten und den vielen tollen Bildern habt wunderbar daran teilnehmen lassen. Man hatte fast das Gefühl ein kleines Stück mit euch unterwegs gewesen zu sein. Genießt noch die letzten Eindrücke und kommt gut mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck wieder nach Hause.
Wir sind heute auf der Insel angekommen…..
Herzlichst Renate
Schön, wenn es euch gefällt. Eine Woche haben wir ja noch. Euch eine schöne Zeit auf der Insel. Liebe Grüße senden Karin und Michael von bobil on tour
Hallo ihr Beiden,
danke für euren Bericht. Er hat uns an unseren letztjährigen Besuch erinnert.
Wir sind in den letzten beiden Jahren mehr als 12 Wochen im Baltikum unterwegs gewesen und wurden nicht einmal kontrolliert. Sehen wir seriöser aus?
Ja, in allen drei baltischen Staaten ist man sich der Bedeutung der Europäischen Union bewusst. Uns sind die Errungenschaften die durch die EU erreicht wurden zur Normalität geworden. Wenige erinnern sich an die Grenzkontrollen, die Umtauschgebühren, wenn man in einer fremden Landeswährung zahlen musste, um nur einige Punkte zu nennen. Vielleicht sollten wünschen ein Beispiel an den Balten nehmen?
Alle drei Hauptstädte sind so unterschiedlich wie die Länder, aber jedes eine Reise wert.
Für eure letzte Etappe im Baltikum wünschen wir euch noch viel Spaß, sichere Fahrt und gutes Wetter.
Beste Grüße vom Bummel.Tours-Team
Na klar seht ihr seriöser aus! Euch würde niemand als Schleuser erkennen. Danke für eure guten Wünsche für die letzte Woche und euch eine schöne Zeit in Finnland, ihr müsstet ja jetzt zu viert sein (das ist gut für Quirkle). Liebe Grüße senden karin und Michael von bobil on tour
Ganz tolle Reise und sehr schöne Bilder 👍
Vielen herzlichen Dank dafür 🙏
Wir freuen uns schon, euch wieder zu sehen.
Gute Heimfahrt
Schön, wenn es euch gefällt. Eine Woche liegt ja noch vor uns. Liebe Grüße senden Karin und Michael von bobil on tour
Hallo ihr beiden,
Ihr habt wirklich ein großes Reisepensum bewältigt und man glaubt euch gern, dass euch die vielen Eindrücke langsam „zuviel“ werden. Man muß sie ja noch verarbeiten können. Aber als Leser war es wunderbar, an eurer Reise teilzuhaben und die Eindrücke mit euch zu teilen. Großen Dank auch für die geo- und politische Einordnung mancher Erlebnisse. Auch wir haben viel über Land und Leute eurer Reise kennengelernt. Eine gute Fahrt noch auf der weiteren Etappe Richtung Heimat.
Liebe Grüße
Lydia & Ronny
Danke für eure guten Wünsche für den Rest der Reise. Eine Woche liegt ja noch vor uns. Liebe Grüße senden Karin und Michael von bobil on tour
Hallo Ihr beiden,
es ist immer wieder interessant, durch Eure Bilder und Eure Berichte auf Euren Reisen mitgenommen zu werden!
Ich wünsche euch noch eine gute Zeit dort und eine gute Heimreise!
Bis auf bald im Fotoclub!
LG Ernst
Schön, wenn dir unsere Reiseberichte gefallen. Ein paar Tage haben wir ja noch bis zur Rückreise. Dir jetzt erst einmal ein schönes Wochenende wünschen Karin und Michael von bobil on tour.
Markante Punkte wie der errechnete Mittelpunkt Europas muss man einfach einmal gesehen haben, das finde ich auch. Eine tolle Reise mit ganz tollen Eindrücken. Ich bin zur Zeit selbst wieder in Norwegen am Angeln, deshalb bin ich etwas hinterher. Bin schon auf eure nächsten Berichte gespannt.
Das ist ähnlich wie am Nordkapp, Touristen mögen das. Wie läuft es dieses Jahr mit den Fischen? Petri Heil wünschen Karin und Michael von bobil on tour