Tallinn und das Elch-Steak

Lesedauer 4 Minuten

Was für ein Tag heute. Kommt mit uns auf eine sehr skurrile Besichtigung. An unserer Reiseroute liegt ‘Rummu’, einer der wohl ungewöhnlichsten Orte in Estland. Während der sowjetischen Besatzung entstand dort das Murru-Gefängnis, in dem die Häftlinge unter harten Bedingungen in einem Kalksteinbruch arbeiten mussten. Nach der Unabhängigkeit Estlands wurde der Steinbruchbetrieb eingestellt und die Pumpen, die das Grundwasser fernhielten, abgeschaltet. Innerhalb kurzer Zeit lief der gesamte Steinbruch voll Wasser. Gebäude und Maschinen verschwanden unter der Oberfläche und bilden heute eine faszinierende Unterwasserlandschaft.

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Das Gefängnis selbst wurde erst 2012 geschlossen und Teile davon können heute als Museum besichtigt werden. Eigentlich ist es eher ein riesiger Lost Place und wir bewegen uns sehr vorsichtig in den verlassenen Räumen zwischen Müll und herabhängenden Decken, verrosteten Wachtürmen und Stacheldraht.

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Heute treffen grausame Vergangenheit und Freizeit aufeinander. Ein feiner Sandstrand lädt zum Baden ein, das außergewöhnlich klare Wasser ist bei Tauchern sehr beliebt, unter Wasser liegen Gebäude, Mauern und technische Anlagen, auf den weissen Abraumhalden kann man wandern, es gibt eine Tauchbasis und Bootsverleih, Camping, ein Café, eine Spielhalle, Go-Kart-Bahn und einen schwimmenden Spielplatz. Die Freizeitangebote werden noch erweitert.

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Gerade dieser Kontrast macht Rummu so besonders und skurril, aber wirkt auf uns auch beklemmend. Ein Ort, der früher für Leid und Zwangsarbeit stand ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Badegäste und Fotografen.

Schließlich erreichen wir den nächsten Meilenstein unserer Reise … wir sind in Tallinn. Am Abend suchen wir uns ein nettes Restaurant, zur Einstimmung gibt es Elchsteak.

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Am nächsten Tag steht erst mal das übliche Touri-Programm an. Es wimmelt um uns herum von Touristen-Kollegen, Aida & Co überfluten die Stadt. Die Hauptstadt von Estland spannt einen interessanten geschichtlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Moderne. In der wechselvollen Vergangenheit spielen die Dänen, Schweden, Deutsche und Russen prägende Rollen. Hier leben ca. 470.000 Menschen, ein Drittel der Gesamtbevölkerung Estlands und hier ist der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt des Landes. Religion spielt im Alltag der Esten eine sehr geringe Rolle, mit ca. 20% sind die orthodoxen Christen die größte Religionsgemeinschaft.

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Estland hat sich in den letzten 25 Jahren zu einer der spannendsten Digitalnationen Europas entwickelt und Tallinn ist das Zentrum dieser Entwicklung. Nach der Unabhängigkeit 1991 hatte Estland kaum moderne Infrastruktur und das Land setzte voll auf Digitalisierung. Heute kann man hier praktisch alles online erledigen. Zwischen der gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt und dem Hafen sieht man moderne Hochhäuser der Tech-Unternehmen.

Besonders aufgefallen ist uns die Sorge der Esten um ihre Unabhängigkeit. Mahnendes Beispiel ist für sie der Überfall auf die Ukraine. Die Zugehörigkeit zur EU und NATO sagen sie, gibt ein Stück Sicherheit und Vertrauen.

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Morgen wollen wir das moderne Tallinn abseits des Touristen-Mainstreams entdecken.

5 Kommentare zu „Tallinn und das Elch-Steak“

  1. In Rummu hatten wir letztes Jahr ein Museum oder Mahnmal erwartet und waren von der skurril Situation überrascht. Sie wirkt auch auf uns beklemmend.

    Tallinn hat uns sehr gefallen. Man muss nur die Routen, die die Gruppen der Kreuzfahrtschiffe gehen, verlassen. Wir erinnern uns an das Museum der verbotenen Bücher, an eine Bierpause in einem Hinterhof, den Gang auf der Stadtmauer und an den angenehmen Kontrast zwischen alt und modern. Aber das könnt ihr alles in unserem Video ansehen. Tallinn ist vielleicht die schönste Hauptstadt im Baltikum?
    Beste Grüße vom Bummel.Tours-Team

  2. Seefahrer, Aida, Prinzess &Co

    Hallo ihr 2 , schön die Innenstadt von Tallin wiederzuerkennen; so unter dem Motto: ‚Da waren wir doch auch mal‘.
    Noch eine gute Reise, wir sind gespannt auf die nächsten Berichte

  3. Mit sachsendem Interedsd lesd ich Eure Berichte! Ich bin schon seit einer Woche zurück von meiner kurzfristig grbuchteb ersten busreise ( pauschal ) ins Baltikum. Das Ihr mehr und genauer seht als ich in 10 Tagen keine Frage
    Deshalb ist es ja so interessant für mich. Meine Rreisegruppe war relativ klein 18 Leute bei 65 Plätzen im Bus hat man die Aussahl. Von Kleipeda gings nach Nida auf ddr kurischen nehrung und zum Fdrienhaus von Th Mann. Tilsiter Käse kennt jeder aber wo lag Tilsit. Bdi Kaliningrad im heutigen Russland. Oder Reval – Tallinn. Oder Memel – kleipeda. Memelland. Kurland. Ostpreussen???

  4. Liebe Baltikum-Rebellen,
    damit ich es nicht verpennen😉 hier meine Rückmeldung zu eurer „Handy -dokumentierten-Reise“
    Ihr seid einfach unschlagbar! Erst verpasst ihr die Fähre, weil ihr gemütlich am Feuer saßt und dachtet: „Ach, das Schiff da draußen? Bestimmt nur ein Fischerboot.“ 😂 Dann schüttelt euch der Sturm auf der Landzunge durch, als wärt ihr auf einer Achterbahn – und trotzdem strahlt ihr vor Begeisterung. Ob Elch-Steak in Tallinn, Schafe in Höhlen oder Schotterpisten in Lettland: Ihr nehmt alles mit einer Mischung aus Abenteuerlust und „Jetzt erst recht!“ an.
    Respekt für eure Art, die Welt zu entdecken – mit Charme, Chaos und einer großen Portion Gelassenheit! Weiter so, ihr Abenteuer! 🚐💨😄
    LG
    Joachim Hanner

    1. Karin und Michael

      Lieber Joachim, vielen Dank für deine Zusammenfassung unserer bisherigen Highlights. Du hast es gut getroffen. Es bleibt spannend, was wir noch so alles erleben werden.

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