Eingebettet in die herrliche Landschaft des Galvé-See liegt die Wasserburg Trakai, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens. Die auf einer Insel gelegene mittelalterliche Burg wurde im 14./15. Jahrhundert errichtet. Eine lange Holzbrücke über das Wasser führt zu der vollständig restaurierten Anlage. Über diese Brücke strömen die Touristen zur Burg. Nicht unser Ding, daher beschränken wir uns auf einen kurzen Rundgang innerhalb der Burg und wechseln die Perspektive. Mit einem Tretboot umrunden wir die Anlage vom Wasser aus. Die Blicke auf die roten Backsteinmauern gefallen uns viel besser. Außerdem treffen wir auf dem Wasser die Wohnmobil-Nachbarn vom heutigen Übernachtungsplatz. Wir lassen uns treiben und quatschen eine ganze Weile miteinander.





Beim Frühstück ertönt auf unseren Smartphones ein Katastrophenalarm. Der erste Gedanke ist ein Luftalarm. Aber es ist ‘nur’ der Alarm für das aus Polen heranziehende Sturmtief ‘Priska’, das bereits als Zyklon eingestuft wurde. Bei solchen Wetterlagen ziehen wir uns meistens auf Campingplätze zurück, weil dort mehr Sicherheit und Infrastruktur zu erwarten ist. In Kaunas, 100 km nordwestlich von Vilnius, finden wir auf einem Campingplatz eine Stelle, die nicht direkt unter Bäumen liegt. Eine gute Entscheidung, denn das Wohnmobil uns gegenüber wird unter einer abgeknickten Kiefer begraben.

Vom Sturm gut durchgeschüttelt aber ohne Sturmschäden erkunden wir am nächsten Tag Kaunas. Die Stadt ist mit rund 300.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Litauens und war im Laufe der Geschichte sogar einmal die Hauptstadt des Landes. Hier mündet die Neris in die aus Belarus kommende Memel. Kaunas ist viel weniger touristisch als Vilnius, hat einen riesigen Rathausplatz und eine lange Fussgängerzone. Wir lassen uns durch die Stadt treiben, unterbrochen von Café-Besuchen, um vor dem einen oder anderen Regenschauer zu flüchten. In der Nähe von Kaunas ist seit letztem Jahr die dauerhafte Präsenz einer Brigade der Bundeswehr stationiert.




Obwohl es noch rund 200 km bis zur Ostsee sind, haben wir auf der Weiterfahrt von Kaunas Richtung Nordwesten den Eindruck als würde sich die Landschaft schon langsam auf das Meer vorbereiten. Es geht durch eine breite Ebene entlang der Memel. Sie entspringt in Belarus, fließt durch Litauen und mündet schließlich in die Ostsee. Die Memel ist mit fast 1.000 km einer der großen Flüsse des Baltikums und in Teilen ihres Verlaufs schiffbar.
Unser heutiger Übernachtungsplatz liegt direkt an der Memel. Der Fluss macht hier einen fast unberührten Eindruck. Das gegenüber liegende Ufer hat jedoch eine Besonderheit. Dort ist Kaliningrad. Kaliningrad ist eine russische Exklave zwischen Litauen und Polen – ohne direkte Landverbindung zum russischen Kernland. Durch seine Lage an der Ostsee besitzt das Gebiet eine große strategische und militärische Bedeutung.

Bevor es in drei Tagen auf die Fähre nach Kiel geht haben wir uns noch Ziele gesetzt. Wir möchten uns das Memel-Delta anschauen und unsere Vorräte im Kühlschrank langsam aufbrauchen.
Hallo ihr Beiden,
wir sind erleichtert, dass ihr den Sturm unbeschadet überstanden habt. Reste davon haben wir gestern auch ertragen. Bei uns zum Glück hauptsächlich viel Regen.
Der Marktplatz in Kaunas wurde bei unserer letztjährigen Tour neu gepflastert. Sieht jetzt richtig gut aus.
Wir erinnern uns noch gut, wie wir an der litauisch-russischen Grenze frei gestanden haben. Alles friedlich, aber doch trennt die Memel Welten.
Euch noch eine gute Fahrt mit vielen schönen Erlebnissen!
Beste Grüße vom Bummel.Tours-Team
Den heftigsten Sturm haben wir bisher in Irland erlebt, aber gestern das war auch heftig. Man kann gar nicht zählen, wieviel Bäume auf der Weiterfahrt auf die Straße gefallen waren … durchgesägt und erst einmal provisorisch von der Straße gezogen. Die Memel wird hier wahrscheinlich kein so gutes Paddeltevier sein. Liebe Grüße und euch auch eine gute Reise wünschen Karin und Michael von bobil on tour
Sehr schöne Impressionen von eurer Reise. Kaunas war doch auch einmal Kulturhauptstadt Europas, wenn ich mich richtig erinnere. Habt ihr davon noch was mitbekommen?
Ja, das war 2022. Geblieben ist wohl eine starke Kulturszene in der Stadt.